Unternehmensbewertung

Verkauf von Unternehmen

Unternehmensnachfolge im deutschen Mittelstand

Immer öfter wird nicht nur in Wirtschaftsmedien über Firmen berichtet, die keinen Nachfolger finden und deshalb schließen müssen. Ist die Lage wirklich so ernst?

Ja! Die Lage ist wirklich so ernst, dass noch viel mehr über Unternehmensnachfolge berichtet und das Thema stärker als Problem für die gesamte Wirtschaft erkannt werden sollte. Denn angesichts der demographischen Entwicklung spitzt sich die Situation immer mehr zu. Dabei sind alle Branchen und vor allem inhabergeführte Unternehmen betroffen.

Das Rentenalter wird von immer mehr Unternehmern erreicht. Diese haben immer weniger Kinder und von diesen sind immer weniger zu einer Übernahme der Verantwortung und des Betriebes bereit. Und Fachkräfte, die früher als Nachfolger in Frage gekommen wären, entscheiden sich heute lieber für eine abhängige Beschäftigung.

Wie viele Betriebe suchen denn so händeringend einen Nachfolger?

Jedes Jahr suchen aktuell 22.000 Unternehmen in Deutschland einen Nachfolger.

Das bedeutet dann ja wohl auch, dass viele Arbeitsplätze verloren gehen?

Davon betroffen sind etwa 300.000 Arbeitsplätze – pro Jahr. Wobei sich die Übergabewürdigkeit in den Größenklassen der Unternehmen stark unterscheidet. Unternehmen mit weniger als 100.00 Euro Jahresumsatz erwirtschaften regelmäßig nicht den erforderlichen Mindestgewinn. Dagegen stellen Unternehmen mit einem Gewinn wischen 0.5 und 1 Mio Euro etwa ein Drittel der übergabereifen Unternehmen, obwohl sie in Deutschland einen Anteil von unter sieben Prozent in der Gesamtwirtschaft haben.

Wann ist denn ein Unternehmen wirklich fit für die Übernahme durch die nächste Generation?

Wichtige Kriterien sind die Vermeidung von Investitionsstaus, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, lebendige Beziehungen zu Kunden und Zulieferern sowie ein durchgängiges Controlling, um die transparente Dokumentation der wichtigen Kennzahlen zu garantieren.

Wie lässt sich der Worstcase denn verhindern?

Wir empfehlen vor allem, dass sich Unternehmer möglichst drei bis vier Jahre vor ihrem geplanten Eintritt in den Ruhestand mit diesem Thema auseinander setzen sollten. Aktiv – und nicht nur alibimäßig!

Ich verstehe durchaus, dass das häufig eine unangenehme Vorstellung ist, die sich durchaus mit einem Zahnarztbesuch vergleichen läßt. Der ist ebenfalls unangenehm, aber halt notwendig. Darüber hinaus sollten auch jüngere Unternehmer Vorsorge für den Fall eines Falles, insbesondere unerwartete Krankheit oder plötzlichen Tod, treffen. Es bedarf also eines Notfall-Planes. Auch solche Überlegungen gehören zu einer Strategie der Unternehmensnachfolge und deshalb natürlich auch zu unseren Beratungsbausteinen.

Was sind die größten Hemmnisse, die einer Unternehmensnachfolge im Weg stehen können?

Die „Chemie“ zwischen den beteiligten Akteuren muss stimmen. Das ist der wichtigste Punkt. Und dann geht es darum, die mitunter sehr weit auseinander gehenden Vorstellungen über den Wert und den Preis eines Unternehmens aneinander anzugleichen. Der Unternehmer, der einen Nachfolger sucht, will oft die Mühen für sein Lebenswerk mit einpreisen, während der potenzielle Nachfolger eine eher emotionsfreie Sichtweise hat.

Welche Motive haben eigentlich Unternehmenskäufer, die eine Betriebsnachfolge anstreben?

Ein wesentlicher Grund, ein Unternehmen zu kaufen, statt eines zu gründen, ist die Möglichkeit, das Personal zu übernehmen. In Zeiten des Fachkräftemangels sind gerade qualifizierte Facharbeiter, spezialisierte Ingenieure oder gesuchte Pflegefachkräfte ein wertvolles Asset. Letztlich stehen deshalb oft auch nicht die Zahlen der Vergangeneheit, sondern die Menschen im Vordergrund.

Woran erkennen Unternehmer aus allen Branchen eigentlich ganz grundsätzlich seriöse Firmenvermittler?

Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn der Makler schon beim Erstgespräch mit seinem späteren Mandanten auf einen Auftrag drängt, er mit einer überraschend hohen Preisschätzung aufwartet oder er den Eindruck erweckt, er hätte schon einen konkreten Interessenten. Aber auch hinsichtlich der Honorierung der Leistung des Maklers sollte der Verkäufer auf der Hut sein, denn Erfolgsprovisionen oberhalb von 7 Prozent (netto) sind absolut überzogen! Und Vorkasse sowie monatliche (!) Pauschalgebühren sind unseriös! Unredlich ist es, wenn ein Makler etwa für jedes noch so kurze Gespräch oder Telefonat mit Steuerberatern, Anwälten oder Interessenten vor Ort Rechnungen erstellt!



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